„Ich habe nur verworfen, damit es für das Publikum spannend bleibt!“

Fünf Punkte aus vier Spielen und das gegen die vier Teilnehmer des letztjährigen Meister Play-Offs. Die Stimmung beim Urfahraner Handballkollektiv war wahrlich schon schlechter. Die letzten beiden dieser fünf Punkte fuhr man gegen die altgedienten Freunde der seltenen Alpenblume, sprich gegen Union Edelweiß II, ein, die man am Freitag Abend mit 31:29 (Halbzeitstand 13:12) bezwingen konnte.

Der Matchplan der Heimmannschaft war kein großes Geheimnis, spielen diese beiden Teams seit Jahren in fast identer Konstellation gegeneinander. Waren es in den vergangenen Jahren stets die wurfgewaltige Rückraumreihe und die Gegenstöße über die rechte Seite, die dem HC Urfahr das Leben erschwerten, wollte die Heimmannschaft mit einer offensiveren Deckungsvariante gegensteuern, um dann hoffentlich über einfache Ballgewinne die Gegenstöße in der ersten und zweiten Welle einzuleiten.

Doch wie so oft kam es anders: Die Mannschaft von Coach Michael Hayden stand zu offensiv in der Deckung, was der Gegner in der Person von Johannes Himmelbauer auszunutzen wusste. Eine einfache Schnur genügte und der Routinier netzte nach Belieben (am Ende sollten es ganze 11 Treffer sein). Als man dann auch noch die Angriffe überhastet abschloss und sich unzählige technische Fehler im Gegenstoß einschlichen, stand es nach acht Minuten 1:5. Dann kippte das Spiel zugunsten der Heimmannschaft, ohne dass der HC Urfahr am System etwas geändert hätte. Vielmehr hatten die ersten zehn Minuten bei der Gastmannschaft konditionell Spuren hinterlassen. Das Spiel der Gäste wurde fehleranfällig und die Urfahraner überliefen den Gegner und erzielten einfache Treffer. Mit dem Tor zum 9:6 hatte der befreit aufspielende Paul Petzold seinem Team einen 8:1 Run beschert und die zahlreich erschienen Zuschauer in der Harbachschule machten sich erstmals bemerkbar. Der HC Urfahr dankte es seinen Fans und zog auf 13:9 davon, bis eine Zeitstrafe gegen Dominik Ratzenböck den Gegner in der Folge wieder heranbrachte.

Kurios dann der letzte Treffer vor dem Pausentee: bei fünf noch zu spielenden Sekunden schnappte sich der Kreisläufer der Gäste den Ball, machte vor dem direkten Wurf einen großen Schritt in den 9 Meter Kreis hinein und donnerte den Ball in die Maschen. Weder die Deckung, noch der Torhüter reagierten und alle warteten gespannt auf Korrektur und/oder den Abpfiff der Schiedsrichter. Es folgten dann zwei kurze Pfiffe bei gehobener Hand, womit der Abstand auf einen Treffer schmolz. Da wurde es dann doch kurz laut in der Halle und so mancher Funktionär blätterte im neuen Regelwerk. Hatte man da etwaig das Kleingedruckte nicht gelesen? Wohl kaum…

Am Spielgeschehen änderte sich in der zweiten Halbzeit nur wenig. Edelweiß versuchte mit routiniertem Spiel die konditionellen „Lücken“ zu kompensieren und über Herwig Gleichfeld zu leichten Toren zu kommen. Dass dies nicht klappen wollte, hing mit Dominik „Spreißerl“ Ratzenböck zusammen, der eine gar famose Deckungsleistung bot und den Werfer des Gegners zur Gänze neutralisieren konnte. Edelweiß wurde in dieser Phase etwas nervös und spielte fortan mehr gegen die Schiedsrichter als gegen den Gegner. Die Urfahraner nahmen dankend an und bauten den Vorsprung auf plus fünf in der 46ten und der 54ten Minute aus. Entscheidend dabei war auch die längere Bank des HC Urfahr, die es ermöglichte, allen Akteuren die benötigten Verschnaufpausen zu geben.

Ein Schaulaufen hätte es ab da werden können, eine Zitterpartie wurde es schlussendlich. Den lustigen Kommentar von Nino Erlinger aus der ersten Halbzeit (siehe Überschrift) hätte sich der HC Urfahr fast noch zum Motto genommen und reagierte plötzlich kopflos. Der Vorsprung schmolz und die alten Hasen der Union Edelweiß II rochen noch einmal Lunte. Die Urfahraner Tormänner bewahrten (wie auch schon in den letzten Spielen) dann in den letzten Minuten ihre Vorderleute vor Ungemach und Routinier Hubert Gostner versenkte den so wichtigen Strafstoß zum 31:28. Edelweiß erzielte noch ein Tor, Endstand 31:29.

Die beste Zusammenfassung dieser Partie war wohl die letzte Szene des Spiels: Urfahr versucht bei +2 und Ballbesitz 15 Sekunden vor Schluss einen völlig unnötigen Kreispass anstatt die Zeit herunterzuspielen, der Gegenstoßpass der Gästemannschaft ging ins Leere, Kapitän Philipp Prandstätter drehte schimpfend ab.

Fazit: ein Sieg des Kollektives basierend auf ihrer Jugend und der längeren Bank. Edelweiß II wird nicht jünger und so blieben dieses Mal die Punkte im Norden der Stadt. Oder wie der neue Literaturnobelpreisgewinner wohl singen würde: „For the times they are a‘ changin‘!“

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